Flug der Pelikane, oder “Verdummt Lena?” April 22, 2009

Einsortiert unter: la littérature — lenalullaby @ 12:13

Ich fühle mich ein bisschen wie Lisa Simpson in “Verdummt Lisa?”. Die Simpson-Gene sorgen laut Grampa dafür, dass jedes Mitglied der Familie früher oder später verblödet. Lisa will sich beweisen, dass es bei ihr noch nicht so weit ist. Im Museum lässt sie ein Bild auf sich wirken, ist dann aber schwer enttäuscht, als sie merkt, dass der Museumswärter es selbst gemalt hat.

Ich habe Benjamin Leberts neuen Roman “Flug der Pelikane” gelesen, im Bus liegen gelassen und nachgekauft, weil ich wissen wollte, wie er zu Ende geht. Kurz gesagt: Ein gutes Buch. Die Geschichte von Anton und Alcatraz ist schön erzählt und kurzweilig geschrieben, auch wenn sie sicherlich kein Meisterwerk ist. Trotzdem kann ich den Roman guten Gewissens empfehlen.
Heute lese ich dann in der Neon, dass Lebert eine “schriftstellerische Enttäuschung” sei und die Sprache “erschreckend unbeholfen”. Verdumme ich? Sind meine Ansprüche an ein gutes Buch derart gesunken? Weiß ich gut geschriebene Bücher nicht zu würidgen und gebe mich mit “eine[r] Sammlung aller unnötigen Adjektive dieser Welt” zufrieden?
Schade, weil es ein Zeichen unglaublicher Selbstüberschätzung in den letzten Jahren wäre.
Wäre die Neon das Maß aller Dinge in der deutsche Literaturkritik, müsste ich ein bisschen mehr über die Fragen da oben nachdenken. Ist sie aber nicht, weswegen ich mich jetztdoch halbwegs beruhigt José Saramagos “Alle Namen” zuwenden kann. Der ist schließlich Nobelpreisträger.

Achja, was sagt eigentlich Reich-Ranicki zu Lebert?

 

4 Antworten zu „Flug der Pelikane, oder “Verdummt Lena?”“

  1. dimi Sagt:

    reich-ranicki sagt vermutlich das gleiche, was ich in einer sehr passenden kritik vom “kannst du?”, welches per se koksnuttenschrott war, gelesen habe:”klein beni schreibt übers rammeln.”

  2. JP Sagt:

    “Flug der Pelikane” hab ich noch nicht gelesen, aber bei “Kannst du” war das ja schon ganz ähnlich. Ich mag Benjamin Lebert, ich mag seine unprätentiöse Art zu schreiben.
    Dann haben wir eben mehr Spaß als die verkrampften “Ich schau ja auch nur noch arte und lass mir von der Neon diktieren, was hip ist und genau den richtigen studentischen/werbeagentur-mäßigen Anspruch hat”-Hobbygroßstadtintellektuellen.

  3. cucuracha Sagt:

    ui, du bloggst wieder, schön :)

    lieben gruss!

  4. Timon Sagt:

    “Verdummt Timon”??

    … bewegen wir uns nur einfach in anderen (sub)kulturellen Sphären oder sind mir Lebert, Marcel und all die anderen auch so schnurzpiepegal?

    Bin ich ein potentieller Bild-Leser, weil ich das durchaus popularphilosophische “Wer bin ich und wenn ja wie viele” vom Precht gut finde (weil es eben auch als Urlaubslektüre taugt ;) – siehe Twitterbox oben atm?

    Formuliere ich immer so schlecht oder bin ich einfach nur noch nicht wach?

    Warum schreib ich eigentlich so einen Schwachfug?

    Egal, ich finds jedenfalls schön dass du wieder bloggst und finde, dass du einen recht ausgereiften Stil hast. Liest sich sehr angenehm. und wenn du jetzt hin und wieder bisschen was fürs Proletariat schreibst (also mich), dann komm ich hier täglich vorbei!

    Viel Erfogl!


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